Erste Privatklage von Holocaust-Opfern gegen Versicherung
December 19, 2005
Los Angeles (dpa) – Die Nachfahren einer in Auschwitz ums Leben gekommenen Familie haben in Los Angeles die italienische Versicherungsgesellschaft Assicurazioni Generali auf Zahlung von 135 Millionen Dollar verklagt.
Laut Anklageschrift weigert sich die Firma, Alan Stern die Lebensversicherung seines Großvaters auszuzahlen. Es ist die erste Klage in den USA, die eine einzelne Familie erhoben hat. Im vergangenen Jahr wurde in New York eine Sammelklage von Überlebenden des Holocausts gegen 16 Versicherungen eingereicht.
Wie der in Los Angeles lebende Geschäftsmann Alan Stern im Simon Wiesenthal Center mitteilte, bittet seine Familie seit 1945 vergebens um Auszahlung der Lebensversicherung seines Großvaters Moshe Stern. Der Winzer, seine Frau und drei von sieben Kinder waren im Konzentrationslager getötet worden.
“Wir bitten nicht um Almosen. Das Geld steht uns zu”, sagte die Holocaust-Überlebende Anne Stern, eine Tante des Klägers, der Zeitung “Los Angeles Times” am Donnerstag. Die Sterns verlangen 10 Millionen Dollar Ablösesumme für die 1929 abgeschlossene Lebensversicherung sowie 125 Millionen Dollar als Strafzahlung.
Das Amt für Versicherungen in Kalifornien hat die Assicurazioni Generali angewiesen, in einer Anhörung Stellung zu den Vorwürfen der Sterns und anderer Familien zu nehmen. Der Staat Kalifornien könnte der Versicherung die Lizenz entziehen, wenn erwiesen ist, daß Generali in schlechter Geschäftsmanier gehandelt hat. Die Versicherungsgesellschaft nimmt in dem US-Bundesstaat jährlich 22 Millionen Dollar an Prämiengeldern ein.
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